Neue Höhen erreichen: Auf Erfahrung aufbauen
Anlässlich der Einführung ihrer neuen POC Kollektion haben wir mit der norwegischen Freeride World Tour 2024-Siegerin Hedvig Wessel über die Inspiration hinter ihrer neuesten Kollektion gesprochen und darüber, was als Nächstes vor ihr liegt, nachdem sie das Ziel erreicht hat, auf das sie so lange hingearbeitet hat.


Die Freeride World Tour 2024-Siegerin Hedvig Wessel lässt sich immer wieder von den Bergen ihrer norwegischen Heimat inspirieren. Für ihre neue Kollektion in diesem Jahr hat sie sich erneut diesen Bergen zugewandt, wo sie zugleich den Wunsch nach einer neuen Art von Herausforderung erfüllen konnte.
In den letzten Jahren hat sie sich voll darauf konzentriert, alles für den Sieg bei der Freeride World Tour zu tun, setzte die Saison 2023 aus und fand so die tiefe Entschlossenheit für den Erfolg 2024. Und diese Arbeit hat sich ausgezahlt: Anfang des Jahres holte sie sich beim Finale in Verbier den Gesamttitel.
Jetzt kann sie sich aber auf neue Herausforderungen konzentrieren. Eine davon ist es, den ganzen Berg zu nutzen: mehr Zeit für den Aufstieg bis zum Gipfel zu investieren, bevor es auf Skiern wieder hinabgeht.
„In den letzten Jahren lag mein Hauptfokus auf Wettkämpfen. Gleichzeitig habe ich versucht, mit Abenteuern und Reisen meine Fähigkeiten im Backcountry weiterzuentwickeln. Auch wenn es noch so viel zu lernen gibt, möchte ich all das Wissen, das ich gesammelt habe, nutzen, um im Freeriden neue und andere Schritte zu gehen. Mich interessieren größere Berge, und ich möchte mich genauso stark auf den Aufstieg wie auf die Abfahrt konzentrieren.

„Im Wettkampf ging es vor allem um die Menge: Wie viele Runs kann ich an einem Tag machen? Jetzt freue ich mich darauf, es ruhiger anzugehen und größere Skitouren und Trips zu unternehmen – die Umgebung zu genießen, Klettern und Camping einzubinden – und das alles bewusster“, sagt sie.
Genau das war die Inspiration für ihre neue Kollektion: Pieces zu finden, die sowohl beim Aufstieg als auch bei der Abfahrt funktionieren. Deshalb fiel die Wahl auf Produkte wie die Devour Glacial und den Calyx Carbon – beide ideal für den Weg nach oben. Über den Helm sagt Hedvig: „Ich liebe den neuen Calyx – wegen seines geringen Gewichts und seiner Vielseitigkeit. Da mich mein Weg jetzt in größere Berge und auf längere Trips führt, erfüllt der Calyx einfach alle Anforderungen“.
Bei der Farbwahl für ihre Pieces ließ sich Hedvig von den Farben des Sonnenuntergangs über den Lyngen Alpen im Norden Norwegens inspirieren. Sie wollte die Töne so einfangen, wie man sie vom Gipfel des Piggtind erlebt, und die spektakulären Rosatöne am Horizont hervorheben, wenn die Sonne untergeht.
Und auf genau diesem Berg hat sie die neuen Pieces zum ersten Mal getestet. Über die Mission sagt sie:
"Mit drei Zelten, Proviant für zwei Tage und warmer Kleidung im Gepäck machten wir uns auf zu einer sechsstündigen Skitour zum Fuß des Berges, wo wir campen wollten. Wegen des Winds erreichten wir unseren Wunschplatz nicht, fanden aber einen guten Ort, um unsere Zelte geschützt aufzubauen, und gingen dann früh schlafen.


„Wir sind um 5 Uhr aufgewacht, haben unsere Zelte gepackt und uns auf den Weg zum Piggtind gemacht. Zuerst ging es mit Tourenski los, bevor der Aufstieg begann. Als es zu steil zum Skitourengehen wurde, wechselten wir auf Steigeisen und starteten einen zermürbenden, vierstündigen Aufstieg direkt hinauf zum Piggtind.
„Der Schnee wurde in der prallen Sonne immer weicher. Wir erreichten den ersten Gipfel, ein kleines Plateau, und ließen dort unsere Skier und die schwere Ausrüstung zurück, um den letzten und schwierigsten Teil des Piggtind zu erklimmen. Es waren nur etwa 100 Meter, aber es dauerte Stunden. Der Schnee war so weich. Es war schwer zu klettern und schwer, sichere Sicherungspunkte zu bauen.
„Als ich an der Reihe war, den Gipfel zu erreichen, ging die Sonne schon fast unter, und ich wusste, dass ich nicht mehr viel Zeit hatte. Es war einer der intensivsten Aufstiege, die ich je gemacht habe. Kurz, aber wegen des fehlenden Grips extrem zeitaufwendig.
„Als ich oben ankam, schweißnass und frustriert vom Aufstieg, war ich froh, mit einigen meiner Lieblingsmenschen dort zu sein und den wunderschönen Sonnenuntergang zu sehen, der die umliegenden Berge in Rosa tauchte. Mit einem Panoramablick vom Ozean bis zu weiteren Gipfeln war es ein Moment, den man nicht vergisst. Ein tiefer Atemzug, ein kurzer Moment der Dankbarkeit, und dann mussten wir schon umdrehen und wieder absteigen.
„Die Sonne verschwand schnell. Wir seilten uns zügig ab, stiegen wieder in unsere Skier und fuhren das steile Couloir hinunter, das wir hinaufgeklettert waren. Als die Sonne weg war, war aus dem Sulz Eis geworden – und die Abfahrt war alles andere als angenehm. An unserem Camp schnappten wir uns unsere Schlitten und Zelte und glitten hinunter zum Auto. Weit nach Mitternacht erreichte unsere glückliche, aber erschöpfte Gruppe endlich wieder das Auto – dankbar für ein unvergessliches Abenteuer.“

Tatsächlich verlangen Touren wie diese absolutes Vertrauen in die ganze Gruppe. Genau das spielt eine entscheidende Rolle dabei, mit wem du Ski fährst und mit wem du solche Erlebnisse teilst.
Erfahrungen aus der Vergangenheit in den Bergen prägen entscheidend, wie sie heute an jede Mission herangeht:
„Ich schaue darauf, wie das gemeinsame Wissen und die Erfahrung in der Gruppe aussehen, und versuche, Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Hintergründen dabei zu haben. Wenn wir in den Bergen unterwegs sind, ist Vertrauen entscheidend“, sagt sie.
Während Hedvig in die Zukunft blickt, könnten noch mehr Missionen wie diese auf sie warten. In einer Welt nach der FWT hofft sie, nicht nur noch mehr vom Berg zu erleben, sondern ihre Zeit in den Bergen auch bestmöglich zu nutzen. So gewinnt sie die Freiheit, ihre kreativen Ausdrucksformen mit ihren Ski- und Bergsportprojekten zu verbinden.
„Ich glaube, Zeit hat mich in den letzten Jahren eingeschränkt … Jetzt hoffe ich, mich auf weniger Projekte konzentrieren und mehr Einsatz und Kreativität in sie stecken zu können“, sagt sie.
Und wenn die Ergebnisse dieser gemeinsamen Anstrengungen genauso inspirierend sind wie die neue Kollektion, können wir es kaum erwarten zu sehen, was als Nächstes kommt.
Photos by: Sophie Odelberg & Hedvig Wessel
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