POC Sonal: Der neue Aero-Zeitfahrhelm

SPEED COMES IN MANY VOICES
HOW THE SONAL WAS MADE
2012 wandte sich der schwedische Radsportverband mit einer Anfrage an POC. Gustav Larsson sollte bei den Olympischen Spielen in London antreten, und der Verband wollte den schnellsten Zeitfahrhelm, der sich bauen ließ. Sicher, ohne Frage. Schnell genug, um Gold wert zu sein.
Das Bemerkenswerte an dieser Anfrage: Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch keinen Zeitfahr- oder Rennradhelm entwickelt. Doch der Verband kam zu uns, weil er wusste, dass es nicht die Lösung war, einfach das Gleiche wie alle anderen zu bauen. Stattdessen brauchte es eine neue Denkweise – etwas, wofür wir uns gerade einen Namen machten. Gefragt war ein Prozess, der zunächst die gesamte Idee auseinandernahm, jede Annahme hinterfragte und, falls die Antwort einen völlig neuen Weg erforderte, genau diesen einschlug.

Und genau das ist passiert.
Bis dahin waren Helme lang und spitz zulaufend geformt, um allein den Kopf aerodynamischer zu machen. Das Tempor-Projekt setzte an einem anderen Punkt an. Fahrerinnen und Fahrer bewegen sich mit dem ganzen Körper durch die Luft, einschließlich Schultern und Rücken. Deshalb musste der Helm Teil dieses Profils sein. Der Tempor sah auf der Startrampe in London völlig anders aus als alle anderen Helme und brauchte viele Jahre, um Skeptikerinnen und Skeptiker zu überzeugen. Doch schließlich setzte sich das schnelle Konzept durch, und heute fährt fast jedes große Team Rennen mit einem Helm, der auf dieser Idee basiert. Bezeichnenderweise zählt der Tempor noch immer zu den schnellsten.

Deshalb fragten wir uns immer wieder, ob es noch schneller gehen könnte. Wie sich herausstellte, stellte sich EF Pro Cycling dieselbe Frage.
„Wir arbeiten seit weit über einem Jahrzehnt unglaublich eng mit EF zusammen und haben eine großartige Beziehung aufgebaut“, sagt Magnus Gustavsson, unser Direktor für Hartwaren. „So können wir neue Ideen einbringen, und alle wollen sie unbedingt testen.“
Weit über ein Jahrzehnt der Zusammenarbeit verändert die Art, wie ein Projekt beginnt. Es braucht weder einen Pitch noch ein ausgefeiltes Briefing, das perfekt verpackt präsentiert wird. Stattdessen gibt es viele offene Gespräche und noch mehr Vertrauen. So kann jemand aus dem Performance-Team von EF Pro Cycling anrufen, wenn etwas, das bei einem Rennen aufgefallen ist, nicht schlüssig erscheint. Oder POC meldet sich beim Team, wenn es eine neue Form zu testen gibt. Das Ergebnis ist immer dasselbe: die Lust, es zu erkunden, zu entwickeln und zu messen.

Genau das macht Forschung so viel einfacher – und außerdem angenehm und dynamisch. Eine Vermutung oder eine noch unausgereifte Idee kann dem Team direkt vorgelegt werden, ohne sie vorher glattzuziehen, einfach um die Hypothese zu testen. Eine vielversprechende Richtung, die sich als Sackgasse erweist, kann genauso schnell wieder geschlossen werden, wie sie eröffnet wurde, und ein neuer Weg lässt sich finden – weil alle im Tunnel die richtige Antwort wollen.
Als das Performance-Team von EF fragte, ob es möglich sei, den Tempor zu übertreffen – und zwar rechtzeitig zur nächsten Tour de France –, war keine Vorlaufzeit nötig. Andreas Klier, Sportlicher und Technischer Direktor von EF Pro Cycling, formulierte das Briefing klar: Aerodynamische Vorteile waren nun für weitaus mehr Fahrerinnen und Fahrer gefragt, nicht nur für eine Handvoll Spezialistinnen und Spezialisten.

INNOVATION DURCH ITERATION
Von da an ging die Arbeit immer wieder hin und her. CFD-Modellierungen zeigten, wie die Luft jede Version umströmte. Tempor, Cerebel und Procen dienten dabei als Maßstab, den es zu übertreffen galt. Im Windkanal wurden aus Simulationen konkrete Zahlen. Fahrerinnen und Fahrer testeten in ihrer individuellen Position, schilderten ihre Eindrücke und gaben die Formen zur Überarbeitung zurück. Dann begann die Schleife von vorn. Wieder und wieder.
Die Zusammenarbeit mit Aerodynamik- und Windkanalexpertinnen und Windkanalexperten wie Aerotak zeigt, wie viele Watt eine Form kostet, wo ihre Schwachstellen liegen und was geändert werden muss, damit die Luft gleichmäßig über Fahrerinnen und Fahrer hinwegströmt. Anschließend ergänzen Profi-Fahrerinnen und Profi-Fahrer entscheidende Details: etwa, wie sie das Kinn neigen, um die Straße zu sehen, oder wie sich die Balance nach vierzig Minuten maximaler Anstrengung anfühlt. Dieses Wissen können nur Athletinnen und Athleten besitzen, die ihr Berufsleben in einer Position verbringen, die für die meisten von uns unerträglich wäre, und die in einem Umfeld Höchstleistungen erbringen, das den meisten von uns fremd erscheinen würde.

All diese Details, Diskussionen und Iterationen führten zur zentralen Idee. Wenn der Luftstrom über den gesamten Körper das Profil bestimmt, greift es zu kurz, die Helmgröße allein anhand des Kopfumfangs festzulegen. Der Sonal ist in zwei auf die Schulterbreite abgestimmten Schalenbreiten erhältlich, beide bieten jedoch die gleiche interne Passform.
Die verlängerte Front lenkt die Hochdruckzone ab, die sich vor einem Helm aufbaut, und führt die Luft stattdessen über Fahrerinnen und Fahrer hinweg. Im Vergleich zu unseren eigenen schnellen Zeitfahrhelmen spart er bei 60 km/h durchschnittlich 15 bis 20 Watt.
Hinter dem Sonal steht eine große Idee. Doch seine Aerodynamik zeigt sich in kleinen Details – gefunden durch unermüdliches Hinterfragen und das Vertrauen ineinander und in den Prozess.
Am Ende findet sich die Geschwindigkeit. Und sie kommt in vielen Stimmen.
