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Zuhause ist, wo dein Herz ist

October 18, 2024

Skifahren ist immer eine Reise.

Egal, ob es eine Abfahrt von ganz oben bis ganz unten am Hausberg ist oder ein Roadtrip zum höchsten Berg am Horizont: Du musst bereit sein, die Arbeit zu investieren, um dir die Belohnung zu verdienen.

Manchmal bedeutet das, einen Tageslohn für ein Liftticket hinzulegen. Ein anderes Mal kann es sechs Monate Reha im Gym nach einer schweren Knieverletzung bedeuten, damit du nächsten Winter wieder raus kannst.

An manchen Tagen haben wir Glück und erwischen perfekte Bedingungen, ohne es überhaupt darauf anzulegen. Aber meistens gilt: Je härter wir arbeiten, je geduldiger wir sind, je weiter wir gehen, desto größer ist die Belohnung.

Diesen Prozess und dieses Opfer kennt Yu Sasaki sehr gut.

Geboren und aufgewachsen im Powder-Paradies Hokkaido in Japan, stand Yu schon in jungen Jahren auf Ski. In den ersten Jahren war Skifahren einfach etwas, das er am Wochenende mit seiner Familie machte. Doch als er die Schule beendet hatte, waren ihm die japanischen Berge nicht mehr genug, und er wollte größere Lines fahren.

Yu Sasaki skiing
Picture of Yu Sasaki wearing a helmet and goggles

Als sich die Aussicht abzeichnete, in Japan zu bleiben und dem traditionellen Weg über Studium und Karriere zu folgen, tat Yu etwas äußerst Ungewöhnliches. Mit 19 packte er seine Ski in eine Tasche, kaufte ein One-Way-Ticket nach Vancouver, British Columbia, und verließ das einzige Zuhause, das er je gekannt hatte, auf der Suche nach größeren Bergen.

Er kannte niemanden, der das vor ihm getan hatte.

Er sprach kein Englisch.

Er kannte niemanden in Kanada.

Doch das Einzige, das er hatte, stellte sich als das Einzige heraus, das er brauchte: die Liebe zum Skifahren.

Was also tust du, wenn du ohne echten Plan in einem fremden Land landest und nur ein Ziel hast: große Lines zu fahren? Er schrieb sich für Englischkurse ein, fand ein Zimmer zur Zwischenmiete in Vancouver und einen Job in einem japanischen Restaurant.

Was man nicht alles aus Liebe tut.

Langsam, aber sicher zahlten sich seine Anstrengungen aus, bis er schließlich seinen Weg nach Whistler und dann nach Squamish fand. Er baute sich ein Umfeld auf, sicherte sich ein Visum, fand eine feste Unterkunft und vor allem: Er fuhr mit voller Leidenschaft auf dem gewaltigen Terrain und im tiefen Powder des Nordwestens Ski.

Yu Sasaki ski touring

WENN YU AUF DIE ENTSCHEIDUNG ZURÜCKBLICKT, NACH KANADA AUSZUWANDERN, HAT ER ES NICHT BEREUT;

„Die Schneequalität in Japan ist die beste der Welt … aber für mich ist es dort ein bisschen zu klein. Für Japan ist es gut, aber ich will mehr. Ich will größere Lines auf riesigen Bergen fahren. Genau das will ich. Und das ist ein großer Unterschied.“

Während der Jahre in B.C. ließ Yus Liebe zum Skifahren nie nach, doch nach und nach begann sich die Stadt um ihn herum zu verändern. Nach den Olympischen Spielen 2010 waren Whistler und Squamish nicht mehr die gemütlichen, zugänglichen Skiorte, die sie einmal waren, und die abgelegeneren Berge im Osten riefen.

Also zog Yu wieder los und landete diesmal in Revelstoke.

Was vielleicht als erzwungene Veränderung begann, wurde zur idealen Chance. Das wildere, rauere Gelände von Revelstoke schuf den perfekten Spielplatz für Yus Skistil. Er begegnet dem Berg wie ein Künstler, mit geraden, kraftvollen Pinselstrichen, und findet immer neue, unerwartete Wege, um von natürlichen Features abzuheben.

Skifahren, das zugleich aggressiv und poetisch ist.

Mountains in black and white
Yu Sasaki in the mountain landscape

Ob en engen Rinnen, entlang schmaler Grate, mit Spins über Gaps oder mit sauber gesetzten Drops aus drei Stockwerken Höhe – er sucht immer die kompromisslosesten Lines.

Wenn du Yu beim Skifahren zusiehst, wird sofort klar: Er folgt einem inneren Ruf – einer besonderen Verbindung zur Schwerkraft, die die meisten von uns nie verstehen werden. Genau das lässt seine Augen aufleuchten, wenn er über das Skifahren spricht.

„Skifahren ist nicht nur ein Teil meines Lebens – Skifahren ist mein ganzes Leben. Ohne Skifahren würde ich nicht in Kanada leben. Ohne Skifahren wäre ich nicht mit meiner Frau verheiratet. Alles in meinem Leben kommt vom Skifahren.“

Yu hat einen langen Weg hinter sich, um hier anzukommen. Heute ist er aber geerdeter als die meisten Profi-Skifahrer. Er hat eine Frau, zwei Kinder, ein erfolgreiches Foodtruck-Business, eine erfolgreiche Karriere als Skifahrer und eine aktive Rolle in seiner Community – zusammengehalten von der gemeinsamen Liebe zu Powder und großen Lines.

Yu ist auf den größten Lines der Welt ganz klar zu Hause und gibt dem alten Sprichwort eine neue Perspektive: „Zu Hause ist dort, wo das Herz ist“.

AthletesFreeride

Photos by: Ryan Creary

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