Lust zu lernen

Lernen ist ein ständiger Prozess. Wir wollen lernen, ohne es überhaupt zu bemerken. Als Kinder finden wir heraus, wie man läuft, wann der Supermarkt geöffnet hat und ungefähr wann die Sonne untergeht. Wir lernen von denen, die weiser sind als wir. Wir machen Fehler, lernen aus ihnen und wachsen.
Wir können auch durch Entschlossenheit lernen, angetrieben von der unermüdlichen Verfolgung unserer Träume.


Stora Syltraversen – übersetzt „die große zerklüftete Traversierung“ – ist eine der ikonischsten Grattouren Schwedens. Das Tal ist von brutaler Geschichte geprägt, die bis ins Jahr 1719 zurückreicht, als dreitausend schwedische Soldaten auf dem Rückmarsch aus Norwegen erfroren. Es ist auch berüchtigt für schnelle Wetterumschwünge. Deshalb baute die schwedische Tourismusorganisation dort schon in den 1890er-Jahren eine kleine Hütte, um Reisende vor dem Wetter zu schützen.



Viele Jahre lang war die grand traverse ein lebendiger, aber ferner Traum für mich und meine gute Freundin Ida Sivander. Wir wollen immer dazulernen und unsere Grenzen weiter ausloten. Wir wollen die Berge besser verstehen, mehr über das Klettern lernen und so viel wie möglich Ski fahren.
Im Herbst 2021 hatten wir schließlich ein Gespräch, bei dem wir beide spürten, dass unser Traum bald erreichbar sein könnte. Also setzten wir uns das Ziel, Stora Syltraversen bis zum Frühjahr 2022 zu erklimmen.
Mit einem ganzen Winter zum Trainieren vor uns hofften wir, die Lücken in unserem Wissen zu schließen. Aber die Frage war: Mussten wir vor allem unser praktisches Wissen erweitern oder unseren Glauben an uns selbst und an das, was wir schaffen können?



Was wir uns im Frühjahr 2022 vorgenommen hatten, war nichts Außergewöhnliches. Gruppen überqueren diesen Grat jedes Jahr. Aber wir würden es als zwei Frauen allein tun.
Am 23. April, im letzten Wetterfenster vor der Schließung des Naturparks wegen der Rentierwanderung, begannen wir einen 16 Kilometer langen Zustieg, um den Fuß des majestätischen Gebirgszugs mit seinen markanten Spitzen und der 1762 Meter hohen schwarzen Wand des Storsylen zu erreichen.



Written by: Kajsa Larsson Photos by: William Larsson